03 April 2010

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25 März 2010

Endlich Sonne!



Am Montag traute ich dem Wettergott noch nicht so ganz und packte am Morgen einen Wollschal in die Tasche falls der Tag doch kälter würde als vorausgesagt.
Dann am Dienstag war es endlich soweit: Ich holte die Gartenliege heraus und badete in der Sonne. Dabei träumte ich ein bisschen in den blauen Himmel hinein und überhörte standhaft das leise Rufen und Locken meiner liebesbedürftigen Gartenbewohner.
Einfach nur die Sonne, den Himmel, die Luft und das leise Summen der ersten Hummeln genießen!
Das Telefon klingelte und eine Freundin fragte ob ich den Garten schon in Ordnung habe und ob sie einige übrige Stauden haben könnte. Ich versprach, baldigst welche für sie auszubuddeln, aber nicht heute weil die Sonne... Sie verstand mich jedenfalls nicht! Wie nur um Himmels Willen, kann ein Gärtner ( in diesem Falle: Ich) in die Sonne liegen ( es hörte sich an wie etwas gänzlich Verwerfliches...)während doch die Gartenarbeit wartet?

Gerade als ich mich wieder auf meiner gepolsterten Liege nieder ließ heulte im Nachbarsgarten die Motorsäge auf und irgendwo knatterte ein Rasenmäher oder Vertikutierer wie man es nennt.
Keine Ruhe mehr!
Die Saison ist eröffnet: Bühne frei für Rasenmäher, Motorsensen, Vertikutierer Heckenscheren und andere Spassmacher.
Eigentlich schade, dass Gartenarbeit mitunter solch einen Lärm machen muss.

Nachmittags häckelte ich ein wenig unentschlossen im Kräutergarten herum, überlegte hin und her ob es angebracht ist die wärmenden Blätter und Moosbeläge sogleich zu entfernen, denn es könnte immerhin ja noch mal kälter werden.

Gestern vertiefte ich meine Liaison mit unserem lebensspendenden Gestirn und fühlte mich einfach wohlig durchflutet von Licht und Wärme. Meine Buchsbäume schüttelten überrascht mit den Blättern!

Heute Vormittag rechte ich immerhin das Laub unter der Hecke hervor und schnitt die vergilbten Blätter der Pflaumeniris ab, die ich sehr mag. Später grub ich in einem Topf nach den Präriekerzen, um die ich mir ein bisschen Sorge machte, weil der Winter so kalt war. Sie treiben aus... der Juni verspricht himmelblau zu werden.
Dabei dachte ich an Karel Capeks „ Wintergedanken eines Gärtners“ die etwas in mir bewirkt haben müssen.

.... „Jetzt, wo der Garten im Schnee versinkt,
erinnert sich der Gärtner plötzlich, das er eines vergessen hatte:
den Garten anzusehen.
Denn dazu hat er ja niemals Zeit gehabt.
Wollte er im Sommer den blühenden Enzian betrachten,
musste er unterwegs stehen bleiben,
um den Rasen von Unkraut zu reinigen.
Wollte er sich an der Schönheit des Rittersporn erfreuen,
musste er ihm Stöcke geben...
Standen die Flammenblumen in Blüte,
jätete er die Quecken aus...
Was wollt ihr, immer gab es etwas zu tun.
Kann man denn die Hände in die Taschen stecken
und im Garten herumgaffen?“
Karel Capek
aus: Das Jahr des Gärtners


Also nicht vergessen: Den Garten anschauen, fühlen, spüren, bewundern, genießen!
Die Monate fliegen viel zu schnell dahin, was wir heute nicht schaffen, hat auch noch morgen Zeit.
Der Garten ist ein Paradies und dort gibt es keine Eile!
(Schon gleich gar nicht in diesem März der einem großen Winter folgte...)

Liebe Märzsonnengrüße
a presto
Margit

15 Februar 2010

Haus und Waldarbeit: Fastnachtsküchle

Zum morgigen "Fastnachtsdienstag" habe ich einen weiteren Textabsatz aus meiner Geschichte "Haus und Waldarbeit" ausgewählt.
Beim Lesen stieg mir der verführerische Erinnerungshauch frisch gebackener Fastnachtsküchle in die Nase und ich musste mich zurückhalten nicht sofort das alt überlieferte Rezept für diese Köstlichkeiten heraus zu suchen.Die heutigen "Berliner" die gerne am Fastnachtsdienstag gekauft werden, haben mit ihrer klebrig, süßen Geleefüllung und dem vielen Zucker in denen sie gewälzt werden, nur im entferntesten mit dem Fastnachts-Gebäck zu tun welches meine Großmutter aus ihrer Pfanne zauberte.Das können sie mir glauben!

Hier also der Geschmack von Hausarbeit und den Fastnachtsküchle...

...Während also die Männer „außer Hof“ waren, nützte man im Haus die Zeit um aufzuräumen, und liegengebliebene Arbeiten zu tun. Die vorher gewaschenen Kartoffelsäcke wurden bei Bedarf geflickt. Meine Großmutter holte einen Berg Kleider und Wäsche aus der Kammer. Ganz hinten in der Küche unter dem Fenster stand die alte Nähmaschine. Sorgfältig lag eine schöne bestickte Decke über sie geworfen. Vorsichtig schob meine Oma dieses Kleinod zurrecht, faltete die Decke zusammen und strich zärtlich über das schöne Nussbaumholz und die Perlmutintarsarien ihrer Nähmaschine. Ich stand daneben und sah zu. Sah das kleine Schiffchen das sie in eine geheimnisvolle Vertiefung legte. Sah, wie sie die ein kleines rundes Teil, aufspulte. Ich erfuhr dass, dies die Spule war, und dachte sogleich an das Märchen von der Frau Holle. Dann setzte sich die alte Frau, an die Maschine, die Füße brachten das Rad zum Laufen, die Nadel flog über die Stoffbahnen. Ein rhythmisches Rattern unterbrach die friedvolle Stille in der Küche, und die Sonne lachte freundlich durch das Fenster. Dieses Bild ist in meiner Stube der Erinnerung lebendig.
Bald musste ich auch alles lernen: Die Spule erneuern, das Schiffchen einsetzen und geradeaus nähen. Es war einfach wunderschön. Dabei hörte ich die Geschichten der vielen Kinderkleider, der unzähligen Bettbezüge und Kopfkissen, der Tischdecken und Leinensäckchen die alle auf dieser alten Nähmaschine entstanden sind, die ich schon seit vielen Jahren in aller Ehre halte.

Jeder neue Tag war voller Überraschungen, angefüllt mit Spielen, Lernen und „kulinarischer Abenteuer“

Kennen sie auch den Kinderreim: Lustig ist die Fasenacht, wenn mei Mutter Küchle backt….wenn sie aber keine backt, dann pfeif ich auf die Fasenacht?

Am Fastnachtsdienstag wurden traditionell die Fastnachtsküchle gebacken. Das war ein ähnliches Unterfangen wie bei den Dampfnudeln. Die Küche glich einer Großbäckerei. Aus dem dick ausgewellten Hefeteig wurden die Küchlein mit einem in Mehl getauchten Glas ausgestochen. Auf dem Herd brutzelte das Fett in der großen schwarzen Pfanne. Darin schwammen die Küchle bis sie goldbraun waren. Der köstliche Duft zog durchs ganze Haus. War eine Schüssel voll, war sie unversehens wieder leer, denn jeder der in die Küche trat bediente sich von dem köstlichen Gebäck. Zu Mittag stand dann noch ein Topf mit gekühlter Vanillesoße auf dem Tisch und wir hatten unseren unvergesslichen Faschingsschmaus.

Margit, mit warmherziger Erinnerung Februar 2003

Zauberhafte Fastnachtsgrüße
a presto
m

03 Februar 2010

Harry und Heinrich...


Diese zwei Gesellen sind mir heute nachmittag in den Garten geschneit. Beide sind mir wohl bekannt und es freute mich sehr mit ihnen ein Schwätzchen zu halten.
Heinrich F. erzählte mir, wie immer, vom Teufel und den verführerischen Hexen und Harry H. lud mich endlich mal ein (...) mit ihm das "Magische Theater" zu besuchen, was mich doch überraschte, zumal er auch etwas von Mozart erzählte der Händel gerne im Radio hört.
Vielleicht wäre es klug mit beiden, Heinrich und Harry, zusammen, ins Theater zu gehen.. mir sind Teufel und Hexen eigentlich genau so lieb wie Mozart und Händel und zwei Begleiter machen bekanntlich weniger Ärger als einer alleine. Haupsache ich erlebe einen interessanten Abend bei dem viel gelacht wird.
Da mir diese Gelegenheit wohl nicht so schnell wieder kommt, wenn ich die dahin- hinschmelzende Stimmung dieser faszinierenden Männer bedenke, werde ich mich ganz schnell in ein geeignetes Gewand werfen... Solange werden sie eben warten müssen.

ein leidenschaftlicher Abendgruß
auch von Heinrich und Harry die sicherlich bald wieder (?) Abschied von mir nehmen...
Margit

01 Februar 2010

Frau Holle

Eine Witwe hatte zwei Töchter, davon war die eine schön und fleißig, die andere hässlich und faul.
Sie hatte aber die hässliche und faule, weil sie ihre rechte Tochter war, viel lieber, und die andere musste alle Arbeit tun und das Aschenputtel im Hause sein. Das arme Mädchen musste sich täglich auf die große Straße bei einem Brunnen setzen und musste so viel spinnen, dass ihm das Blut aus den Fingern sprang.
Nun trug es sich zu, dass die Spule einmal ganz blutig war,
da bückte es sich damit in den Brunnen und wollte sie abwaschen;
sie sprang ihm aber aus der Hand und fiel hinab.
Es weinte, lief zur Stiefmutter und erzählte ihr das Unglück.
Sie schalt es aber so heftig und war so unbarmherzig, dass sie sprach:
"Hast du die Spule hinunterfallen lassen, so hol sie auch wieder herauf. "
Da ging das Mädchen zu dem Brunnen zurück und wusste nicht, was es anfangen sollte; und in seiner Herzensangst sprang es in den Brunnen hinein, um die Spule zu holen.
Es verlor die Besinnung, und als es erwachte und wieder zu sich selber kam, war es auf einer schönen Wiese, wo die Sonne schien und viele tausend Blumen standen.
Auf dieser Wiese ging es fort und kam zu einem Backofen, der war voller Brot;
das Brot aber rief:
"Ach, zieh mich raus, zieh mich raus, sonst verbrenn ich: ich bin schon längst aus gebacken."
Da trat es herzu und holte mit dem Brotschieber alles nacheinander heraus. Danach ging es weiter und kam zu einem Baum, der hing voll Äpfel, und rief ihm zu: "Ach, schüttel mich, schüttel mich, wir Äpfel sind alle miteinander reif. "
Da schüttelte es den Baum, dass die Äpfel fielen, als regneten sie, und schüttelte,
bis keiner mehr oben war; und als es alle in einen Haufen zusammengelegt hatte, ging es wieder weiter.
Endlich kam es zu einem kleinen Haus, daraus guckte eine alte
Frau; weil sie aber so große Zähne hatte, ward ihm angst, und es wollte fortlaufen.
Die alte Frau aber rief ihm nach:
"Was fürchtest du dich, liebes Kind? Bleib bei mir, wenn du alle Arbeit im Hause ordentlich tun willst, so soll dir's gut gehn. Du musst nur Acht geben, dass du mein Bett gut machst und es fleißig aufschüttelst, dass die Federn fliegen, dann schneit es in der Welt; ich bin die Frau Holle."
Weil die Alte ihm so gut zusprach, so fasste sich das Mädchen ein Herz, willigte ein und begab sich in ihren Dienst.

Es besorgte auch alles nach ihrer Zufriedenheit und schüttelte ihr das Bett immer gewaltig, auf dass die Federn wie Schneeflocken umherflogen; dafür hatte es auch ein gut Leben bei ihr, kein böses Wort und alle Tage Gesottenes und Gebratenes.
Nun war es eine Zeitlang bei der Frau Holle, da ward es traurig und wusste anfangs selbst nicht, was ihm fehlte.
Endlich merkte es, dass es Heimweh war; ob es ihm hier gleich vieltausendmal besser ging als zu Haus, so hatte es doch ein Verlangen dahin. Endlich sagte es zu ihr:
"Ich habe den Jammer nach Haus kriegt, und wenn es mir auch noch so gut hier unten geht, so kann ich doch nicht länger bleiben, ich muss wieder hinauf zu den Meinigen.“
Die Frau Holle sagte: "Es gefällt mir, dass du wieder nach Haus verlangst, und weil du mir so treu gedient hast, so will ich dich selbst wieder hinaufbringen."
Sie nahm es darauf bei der Hand und führte es vor ein großes Tor. Das Tor ward aufgetan, und wie das Mädchen gerade darunter stand, fiel ein gewaltiger Goldregen, und alles Gold blieb an ihm hängen, so dass es über und über davon bedeckt war.
"Das sollst du haben, weil du so fleißig gewesen bist,“ sprach die Frau Holle
und gab ihm auch die Spule wieder, die ihm in den Brunnen gefallen war.
Darauf ward das Tor verschlossen, und das Mädchen befand sich oben auf der Welt, nicht weit von seiner Mutter Haus; und als es in den Hof kam, saß der Hahn auf dem Brunnen und rief:
"Kikeriki, unsere goldene Jungfrau ist wieder hie."

Da ging es hinein zu seiner Mutter, und weil es so mit Gold bedeckt ankam, ward es von ihr und der Schwester gut aufgenommen.
Das Mädchen erzählte alles, was ihm begegnet war, und als die Mutter hörte,
wie es zu dem großen Reichtum gekommen war, wollte sie der andern, hässlichen und faulen Tochter gerne dasselbe Glück verschaffen.
Sie musste sich an den Brunnen setzen und spinnen; und damit ihre Spule blutig ward, stach sie sich in die Finger und stieß sich die Hand in die Dornhecke.
Dann warf sie die Spule in den Brunnen und sprang selber hinein.
Sie kam, wie die andere, auf die schöne Wiese und ging auf demselben Pfade weiter. Als sie zu dem Backofen gelangte, schrie das Brot wieder:"Ach, zieh mich raus, zieh mich raus, sonst verbrenn ich, ich bin schon längst ausgebacken.“
Die Faule aber antwortete: "Da hätt ich Lust, mich schmutzig zu machen" und ging fort.
Bald kam sie zu dem Apfelbaum, der rief: "Ach, schüttel mich, schüttel mich, wir Äpfel sind alle miteinander reif.“Sie antwortete aber: "Du kommst mir recht, es könnte mir einer auf den Kopf fallen" und ging damit weiter.
Als sie vor der Frau Holle Haus kam, fürchtete sie sich nicht, weil sie von ihren großen Zähnen schon gehört hatte, und verdingte sich gleich zu ihr. Am ersten Tag tat sie sich Gewalt an, war fleißig und folgte der Frau Hohe, wenn sie ihr etwas sagte, denn sie dachte an das viele Gold, das sie ihr schenken würde; am zweiten Tag aber fing sie schon an zu faulenzen, am dritten noch mehr, da wollte sie morgens gar nicht aufstehen.
Sie machte auch der Frau Holle das Bett nicht, wie sich's gebührte,
und schüttelte es nicht, dass die Federn aufflogen.
Das ward die Frau Hohe bald müde und sagte ihr den Dienst auf.
Die Faule war das wohl zufrieden und meinte, nun würde der Goldregen kommen.
Die Frau Holle führte sie auch zu dem Tor, als sie aber darunter stand,
ward statt des Goldes ein großer Kessel voll Pech ausgeschüttet.
"Das ist zur Belohnung deiner Dienste,“sagte die Frau Holle und schloss das Tor zu.
Da kam die Faule heim, aber sie war ganz mit Pech bedeckt,
und der Hahn auf dem Brunnen, als er sie sah, rief:
"Kikeriki, unsere schmutzige Jungfrau ist wieder hie."
Das Pech aber blieb fest an ihr hängen und wollte, solange sie lebte, nicht abgehen

Gebrüder Grimm


Heute hat die Goldmarie Frau Holles Bett sehr gründlich und ausdauernd ausgeschüttelt... Die Welt scheint im Schnee zu versinken. Auf der einen Seite ist es überwältigend, die bizarren Schneeverwehungen zu betrachten, zu spüren, da ist eine geballte Kraft der Natur, gegen die wir nur ein wenig dilettantisch mit Schneeschieber oder Streuwagen ankämpfen.
Der Winter zeigt in diesem Jahr unsere Grenzen auf!
Andererseits gefährdet die Schneelast so viele Leute die zur Arbeit fahren müssen, behindert die alten Menschen hält sie in ihrem Haus gefangen. Legt ganze Betriebe lahm und lässt Dächer und Bäume einstürzen. Verhindert dass wir unsere Vorhaben ausführen können. Das ist anstrengend und sehr bedauerlich, und ich hoffe, dass ihr alle wohlbehalten in eurem warmen Zuhaue angekommen seid.


Vor einigen Jahren waren solche Winterbilder hier im Odenwald ganz alltäglich, man stellte sich so gut es ging darauf ein und was nicht machbar war wurde nach dem Tauwetter getan. Das ist schon lange her. Die Alteingesessenen hatten sich diese Hingabe, diesen Gleichmut beim Anblick der tanzenden Schneeflocken im Laufe der Jahre verinnerlicht.

Es ist vielleicht ein Signal für uns, während diesem ungewohnten Schneegestöber, wieder das Abwarten zu lernen, Geduld zu haben. Vielleicht auch diese Zeit so zu nützen, dass wir doch versöhnt, zufrieden mit dem Tagwerk sind.

Am einfachsten haben es natürlich die Kinder, die sich um Nichts von den Kindern anno dazumal unterscheiden. Sie lieben die wilden Schlittenfahrten, oder das Abenteuer eine Schneehöhlen bauen noch genau so wie ihre Großeltern.

Heute möchte ich ein wenig „Winterlust“ verbreiten...( abseits der Skiepisten dieser Welt...) Wie wäre es, gleich morgen eine famose Schneeballschlacht anzuzetteln oder sie nutzen die Gelegenheit und lassen sich einfach einmal in den weichen Schnee fallen.( aber bitte vorsichtshalber sicher stellen, dass ihnen einer hilft falls sie aus der Versunkenheit nicht alleine wieder raus kommen.)

Ein Glitzerschnee bedeckter Abendgruß
Margit

23 Januar 2010

verzauberte Waldwege???

Neulich verabredete ich mich mit Freunden zu einem Katzenbuckelspaziergang im Schnee. Es war einer dieser Sonntage wo mein Hausberg ein unwiderstehlicher Besuchermagnet zu sein scheint. Jedenfalls waren unzählige Autos dort oben geparkt und rund um den Gipfel hatte man den Eindruck eines familiären Volkstreffens, mit lauter fröhlichen Menschen, die ihr Glück vorzugsweiße auf roten Plastikschlitten versuchen wollten.
Wir, meine Freunde und ich, wollten zuerst mal den oberen Rundweg laufen und dann vielleicht noch hoch zum Turm.
Für mich, als „Einheimische“, eigentlich eine Wanderung die ich auch blind zu machen glaubte. Umso mehr war ich überrascht, als ich bei den ersten Wegverzweigungen gar nicht mehr wusste wo es nun weiter geht. Ich fragte einen der vielen Schneewanderer, die uns entgegen kamen, wollte ich doch mit meinem Besuch nicht auf Umwege geraten.

Ich, die schon seit Kindheitstagen dort oben Zuhause ist, fragte am Katzenbuckel nach dem Weg!!!!

Ein eindrückliches Erlebnis das mich nachdenklich machte. Hat sich denn soviel verändert in den letzten Jahren? Sicher sind neue Wege dazu gekommen, alte vielleicht schon längst überwuchert. Oder ging es mir vielleicht noch nie um die vorgezeichneten Wege wenn ich dort oben war, sondern um das "quer durch den Wald laufen"? Wandern um zu Entdecken? Ist deswegen ein Pfad so gut wie der andere? Oder ist mir diese Landschaft so altvertraut, dass ich die Wege, die sie durchzeichnen gar nicht mehr wahrnehme? Möglich wäre es!

Vorhin habe ich ein wenig in meinen Kindheitserinnerungsgeschichten geschmökert, hier ein kleiner Auszug aus dem Text:

Haus und Waldarbeit

In der Zeit zwischen Weihnachten und Fastnacht wurden diejenigen Arbeiten in Haus und Hof getan für die während des restlichen Jahres die Zeit fehlte.
Die Mannsleute zogen schon früh morgens in den Wald rund um den Katzenbuckel. Um eine warme Stube zu haben musste das Holz gerichtet werden. Dies war eine reine Männerarbeit. Es war anstrengend, ohne die vielen Hilfsgeräte, die heute zur Verfügung stehen, die Bäume zu fällen und sie mit dem Traktor auf die Wege zu ziehen. Danach wurden die Stämme und Äste auf eine handlichere Länge gesägt und am Wegrand zu einer Holzarche aufgesetzt. Ich weiß noch, dass damals auch noch das Reisig aufgesammelt wurde. Ab und zu durften wir Kinder mit in den "wilden Wald" um dabei zu helfen. Wir machten uns daraus einen Wettkampfspaß den wir am Abend mit der Frage: Wer hat den größten Reisighaufen aufgetürmt, beschlossen.
Oftmals liefen wir immer tiefer in den Wald, wollten alles entdecken, wollten Räuber treffen und wilde Tiere. Einmal sind wir so weit von unseren Holzarbeitern weggelaufen, dass wir den Weg zurück verloren hatten. Zuerst fanden wir das wahnsinnig aufregend. Endlich mal den Geschmack eines echten Abenteuers. Als wir jedoch einige Wege und Pfade abgelaufen hatten und diese sich immer als die Falschen erwiesen, wurden wir immer stiller und setzten uns unschlüssig auf den weichen Waldboden. Still wurde es auch um uns, das Vogelgezwitscher schien inne zu halten, als die Dämmerung herein brach und uns frösteln ließ.
Plötzlich, und dieser Augenblick ist mir gut in Erinnerung, wendete ich mich intuitiv dem richtigen Pfad zu und gab meinen Begleitern ein Zeichen zum Aufbruch. Wir rannten und stolperten im dichten Unterholz über Wurzeln und Steine: Folgten dem schmalen Fußpfad bis wir ganz außer Atem genau auf der Lichtung heraustraten, auf der wir mittags gespielt hatten. Mein Spürsinn hatte uns nicht getäuscht. Natürlich bekamen wir einiges zu hören als wir etwas zerknirscht bei den schon sorgenvollen Mannsleuten ankamen. Und erst als unsere Mütter alles erfuhren! Trotz dem kleinen Ärger, den ich bekam, war ich damals sehr stolz auf meine untrügliche Pfadfindereigenschaft.

Margit, mit warmherziger Erinnerung Ende Januar 2003

Liebe Abendgrüße in alle Himmelsrichtungen
a presto
m

31 Dezember 2009

Altjahresabend



Kleiner Auszug aus meiner Geschichte: Altjahresabend...

Ganz im Gegensatz zu den ausgelassenen Silvesterfeuern der Gegenwart kann ich mich noch sehr gut an die ernste, fast magische Stimmung der Silvesternächte meiner Kindheit erinnern.
Natürlich mussten meine Cousins und ich zuerst mal zu Bett…bis kurz vor der verheißungsvollen Mitternacht des letzten Tages im alten Jahr
Dann standen wir an den Fenstern auf denen oft wunderschöne Eisblumen gewachsen waren. Unser heißer Atem schmolz ein Guckloch in die weiße zarte Pracht und wir schauten ganz verzückt in den Sternenhimmel. Die Glocken der alten Kirche, die noch heute zu meinen ernsten Silvesterstunden gehören, läuteten das neue Jahr ein. Kleine Füße liefen die knarrende steile Holztreppe hinunter in die Küche, zum Mittelpunkt des Hauses. „ Prosit Neujahr“. für alle die plötzlich in der warmen Küche standen.
Margit mit warmherziger Erinnerung. 20. 12. 2003

Liebe Grüße verbunden mit herzlichen Wünschen für ein gutes Ankommen im
Neuen Jahr 2010
Margit
Garten für Elise am 31.12. 2009

Erinnerung

Und du wartest, erwartest das Eine,
das dein Leben unendlich vermehrt;
das Mächtige, Ungemeine,
das Erwachen der Steine,
Tiefen, dir zugekehrt.
Es dämmern im Bücherständer
die Bände in Gold und Braun;
und du denkst an durchfahrene Länder,
an Bilder, an die Gewänder
wiederverlorener Fraun.

Und da weißt du auf einmal: das war es.
Du erhebst dich, und vor dir steht
eines vergangenen Jahres
Angst und Gestalt und Gebet.

Rainer Maria Rilke

aus: Das Buch der Bilder

a presto
m