17 Oktober 2008

Krabat

(...)Die beiden Gestalten im Nebel verschmelzen zu einer einzigen, das ist seltsam. Die eine Gestalt nun, zu der sich die beiden vereinigt haben, wirft ihm ein Seil zu, an dessen vorderem Ende ein Querholz befestigt ist. Krabat greift danach, klammert sich an dem Querholz fest- dann spürt er, wie die Gestalt ihn am Seil aus dem Moor herauszieht auf festen Grund. Das geht schneller als er gedacht hat. Nun steht er vor seinem Retter und will ihm danken.
„Lass gut sein“, sagt Juro- und jetzt erst merkt Krabat, dass er es ist der ihm da herausgeholfen hat. „Wenn du wieder mal nach Schwarzkollm willst, solltest du lieber fliegen.“
„Fliegen?“ fragt Krabat.“ Wie meinst du das?“
„Nun- wie man eben auf Flügeln fliegt.“
Das ist alles was Juro antwortet, dann verschluckt ihn der Nebel.
„Fliegen...“ denkt Krabat. „Auf Flügeln fliegen...“ Es wundert ihn, dass er nicht selber auf den Gedanken gekommen ist.
Er verwandelt sich augenblicklich in einen Raben, wie er das jeden Freitag tut, breitet die Fittiche und erhebt sich vom Boden.
Mit ein paar Flügelschlägen schwingt er sich über den Nebel empor und hält auf Schwarzkollm zu.
Im Dorf scheint die Sonne. Zu seinen Füßen sieht er die Kantorka, wie sie am unteren Brunnen steht, eine Strohschüssel in der Hand und die Hühner füttert- da streift ihn ein Schatten, der Schrei eines Habichts gellt ihm ins Ohr.
(....)
Krabat weiß, dass es um sein Leben geht. Pfeilschnell, die Flügel angelegt, stürzt er sich in die Tiefe. Neben der Kantorka landet er, mitten im auseinanderstiebenden Hühnervolk.
Auf dem Erdboden nimmt er Menschengestalt an, nun ist er in Sicherheit.
(...)
Da steht plötzlich der Meister am Brunnen, zornig streckt er die Linke nach Krabat aus. „Mitkommen!“, herrscht er ihn an.
„Warum?“ fragt die Kantorka.
„Weil er mir gehört!“
„Nein“, sagt sie, nur dieses eine Wort- und das sagt sie auf eine Weise, bei der es kein Wenn und Aber gibt.
Sie legt Krabat den Arm um die Schulter, dann hüllt sie ihn in ihr wollenes Umtuch ein. Weich und warm ist es, wie ein Schutzmantel.
„Komm“, sagt sie. „komm jetzt.“
Ohne sich umzublicken, gehen sie miteinander weg.


Krabat


Eine Geschichte die Otfried Preußler für sich und für Millionen von Lesern,von einer alten wendischen Volkssage inspiriert, in genialster Weise interpretiert hat.
Als ich diese Geschichte zu ersten Mal zu lesen begann, legte ich sie bald wieder beiseite, denn sie machte mir Angst. Sie wirkte wie ein dunkles Loch, wie ein Sog den ich damals nicht gut aushalten konnte. Dann versuchte ich während der Jahre immer wieder endlich die ganze Geschichte zu lesen und immer war es so, als würde ich in eine Tiefe stürzen und dort verloren sein.
Vor sieben Jahren konnte ich die schwarze Magie, die fast hoffnungslos wirkende Verstrickung Krabats ertragen und konnte die wundervolle Botschaft die diese Geschichte mitteilt erkennen und verstehen. Es ist die eigene Willenskraft, die Freundschaft und die Liebe die es Krabat letztendlich möglich machen sich von den bösen Gewalten zu befreien.
In den letzten Tagen habe ich mich, als Vorbereitung zum Film: "Krabat", erneut in die Geschichte vertieft und immer noch zieht sie mich ganz in ihren Bann.

Ich bin gespannt auf die Verfilmung jedoch immer mit meinen eigenen Bildern in mir die in den vielen Jahren in denen das Buch immer in Reichweite lag gereift sind.Ja, heute ist der Angst einer tiefe Überzeugung gewichen mit der ich mich fühle wie Krabat im warmen Umtuch...wie ein Schutzmantel.


„Während sie auf die Häuser zuschritten, fing es zu schneien an, leicht und in feinen Flocken, wie Mehl, das aus einem großen Sieb auf sie niederfiel.“

A presto
m

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