15 September 2007

Ich will den Herbst!



„Ist es nicht, als wäre er das eigentlich Schaffende, schaffender denn der Frühling, der schon gleich ist, schaffender, wenn er kommt mit seinem Willen zur Verwandlung und das viel zu fertige, viel zu befriedigte, schließlich fast bürgerlich-behagliche Bild des Sommers zerstört? Dieser große herrliche Wind, der Himmel auf Himmel baut; in sein Land möchte ich gehen auf seinen Wegen.“


So beschreibt Rainer Maria Rilke seine Gefühle im Herbst und er beschreibt sie in seinen Herbstgedichten die ich so liebe wie seine gesamte Poesie.
Vorhin holte ich die letzten roten Zwiebelchen aus dem Gartenhäuschen und als ich es betrat spürte ich ein Spinnennetz auf meinem Gesicht das wohl in der Ecke des Türrahmens gehangen war. Ein wenig erschrak ich über das Gefühl diese fein gewobenen Spinnenfäden auf meiner Haut zu spüren und über den Augen. Für einen Augenblick war es als ob mich dieses zarte Gewebe festhielt. Dann streifte ich die Fäden ab, zupfte sie von den Händen und überlegte wo wohl die Spinne hingeflohen sei.
Während ich daran dachte erinnerte ich mich an die Spinnenweben im Speicher eines alten Bauernhauses und daran, dass ich als Kind regelrecht in Panik geriet wenn die dicke Spinne auf die Fliege zusauste die ihr einer meiner Cousins ins Netz warf.
Ich dachte an die Herbstzeit meiner Kindheit, die Kartoffelernte bedeutete, Rübenköpfe schnitzen und das „Große Ernten“: Äpfel und Birnen, Mirabellen und Zwetschgen. Duftende Teppiche von Hefekuchen in der Speisekammer. Ich dachte an die Erbsen, an Bohnen, an das Einstampfen des Sauerkrautes und an den Tag an dem Most gemacht wurde.
Später am wärmenden Ofen sitzend dachte ich an die reiche Vielfalt die diese Jahreszeit heute für mich bedeutet. Bestimmt immer noch die ungeheure Lust am Kochen und Backen, am Dekorieren. Immer mehr die Freude am Gartenfeuerchen zu sitzen und den köstlichen Geschmack der gerösteten Kartoffeln zu kosten und in Gedanken das Ende des Gartenjahres zu feiern. Oder die Streifzüge durch die Wälder und Hochebene die ihren goldenen Zauber ausstrahlen.

Da kommt mir auch ein Ausspruch meines liebgewordenen Hesse in den Sinn der meinte: „Mit der Reife wird man immer jünger.“
Ich fühle ein inneres Lächeln und weiß er hat Recht. Die Sinne, das Erleben, werden schärfer, jeder Augenblick des Lebens wird kostbarer und intensiver.
Die reife Süße ist spürbar und wird zusammen mit der leise antönenden Melancholie um das Vergehen zum höchsten Lebensgenuss.
Der Herbst spielt auf allen Gefühlebenen, wie ein virtuoser Klavierspieler mal trifft er zart und leise oder rauschend und schnell seine Töne und die Seele schwingt in luftigen Höhen wie die silbernen Spinnenfäden oder sie ruht sich aus im duftenden Schoße der Erde.
Ja, ich denke diese Jahreszeit gibt uns nicht alleine den Früchtesegen, nein, sie lädt uns ein uns selbst loszulassen. Sie lehrt uns die Vergänglichkeit als Würze der Schönheit zu betrachten und zu lieben.
Ich will den Herbst!

Diese kleine Geschichte, die ich ursprünglich für das neue Update schrieb, muss nochmal eingefügt werden da sie nicht angekommen ist wo sie sein sollte beim Hochladen der Datenmenge. Bei den schon fast unzähligen Seiten der Homepage eigentlich nicht verwunderlich... Bald ist sie aber wie in "Aktuelles" angekündigt unter der Rubrik: Literarisches zu finden. Eins schöne Entwicklung meiner Schreibgefühle in den vergangenen Jahren wie ich finde...
ein Herbstgoldener Abendgruß
m

8 Kommentar(e):

Blogger mkh sagte...

Sehr schön geschrieben - genau DAS ist der Herbst!

Seine feinen Stimmungen begannen schon mit dem Altweibersommer vor einigen Tagen und Wochen: "...Die alte Frau Sommer liebt die Gerüche und den Geschmack, und sie weiß, Schönheit liegt im Vergehen, und der Augenblick ist das Wunderbarste, was die Welt kennt..."

Einen schönen Herbst für dich!

7:31 PM  
Blogger mkh sagte...

Sehr schön geschrieben - genau DAS ist der Herbst!

Seine feinen Stimmungen begannen schon mit dem Altweibersommer vor einigen Tagen und Wochen: "...Die alte Frau Sommer liebt die Gerüche und den Geschmack, und sie weiß, Schönheit liegt im Vergehen, und der Augenblick ist das Wunderbarste, was die Welt kennt..."

Einen schönen Herbst für dich!

7:31 PM  
Blogger Margit sagte...

Es freut mich sehr, dass dir meine kleine Herbstgeschichte gefällt. Ja, ich will den Herbst! Den magischsten Zauberer der Jahreszeiten.
Ein lieber warmgoldener Gruß zusammen mit meinen allerbesten Wünschen für dich…
Auch ein farbenfroher Gruß von Frederick, der lebensklugen Maus, an deren Worte ich mich gestern erinnerte…

3:07 PM  
Blogger mkh sagte...

Ja, Frederick hat neulich auch ein bisschen bei mir mitgeschrieben...

Wo kämen wir hin, wenn wir NUR Nüsse sammelten?!?

2:30 PM  
Blogger Margit sagte...

... Vielleicht ja in den "Nusstortenhimmel"... oder wir könnten uns an einem deftig, würzigen Walnussbrot satt essen?

siehe oben im Tagebuch...

Nein, nicht NUR Nüsse...
ein lieber geNüsslicher Gruß mit einem Lächeln...

5:07 PM  
Blogger mkh sagte...

Hier liegt jetzt einer neben mir, der die GeNüsse dieser Welt erst noch so nach und nach entdecken kann, und ich begleite ihn ein Stück dabei.
Ein gelächelter Gruß zurück...

3:38 PM  
Blogger Margit sagte...

Dazu wünsche ich dir von ganzem Herzen alles Gute. Viel Freude,Glück und Gesundheit bei der wohl abenteuerlichsten Erlebnissreise d/eines Lebens in die ganz fabelhafte neue Welt die nun jeden Tag ein kleines Wunder bereit hält...
PS: Falls dir bald die kleine Raupe Nimmersatt oder das starke Auto Ferdinand begegen sollten so grüße sie von mir, denn wir sind ja alte Freunde.
ein Sternstundengruß...

10:32 AM  
Blogger mkh sagte...

Schon gegrüßt. - Ich danke dir.

3:44 PM  

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