Augenweide...
(…) Kein im Garten verbrachter Tag vergeht ohne lange Momente, in denen man völlig von sich selbst absieht. Auch wenn man einen Garten nur kurz durchwandert, geschieht das. Arbeitet man darin wird diese Wirkung noch verstärkt. Es ist wie ein Abtauchen in ein Universum, in dem die Selbstbetrachtung an Bedeutung verliert. An ihrer Stelle tritt die Betrachtung eines Ortes und seiner Pflanzen. Dieses Abgleiten geht sanft, unmerklich vor sich, es scheint nichts Geheimnisvolles daran zu sein, und trotzdem strahlt es zurück auf das Ich, das sich gerade in den Gedanken oder im Kümmern um eine Pflanze verloren hat. In Momenten selbstvergessener Gartenarbeit wird der Garten zu einer ganzen neuen Welt: neu bevölkert, neu beschaffen, mit neuen Regeln und Möglichkeiten und mit einem neuen Zeitgefühl. Es ist wie in dem Kinderbuch von Maurice Sendak Wo die wilden Kerle wohnen, das mit den Sätzen beginnt: „An dem Abend als Max seinen Wolfspelz trug und nur Unfug im Kopf hatte, schalt seine Mutter ihn “Wilder Kerl!“ „Ich fress dich auf“, sagte Max, und da musste er ohne Essen ins Bett. Genau in der Nacht wuchs ein Wald in seinem Zimmer- der wuchs und wuchs, bis die Decke voll Laub hing und die Wände so weit wie die ganze Welt waren.“ Ein Garten funktioniert wie dieses Kinderzimmer. Was immer der Unfug war, den man beim Eintreten im Kopf gehabt haben mag, der Garten ist der Ort des Gedankenwechsels. Seine Grenzen - egal wie klein er sein mag- dehnen sich immer weiter ins Unendliche. Das langsame Lebenstempo des Gartens überträgt sich auf die, die sich in ihm bewegen. Darin liegt eine große Qualität und Befriedigung.(…)
aus: Das Gartenspiel von Julia Kospach
Diese Zeilen beschreiben so genau das was ich empfinde wenn ich in den Garten gehe, dass ich gestern geradezu überwältigt war davon. „Augenweide“ ein Bildband der Superlative, so wunderschön, dass es wie ein stilles Glück wirkt vermischt mit dem Gefühl der Trauer weil man diese „Augenweide“ nicht aushält. Ich habe nur wenige der 377 Fotoseiten betrachtet, weil so viel Zauber darin liegt.
Ein Geheimtipp für al diejenigen die die Beschreibung aus dem „Gartenspiel“ als ihre eigene Beschreibung, als ihr eigenen Gefühl erkennen.
„Augenweide“
Der Garten der Gärten
von Andre` Heller und Julia Kospach dtv
... und er segelte zurück,
fast ein ganzes Jahr
und viele Wochen lang
und noch einen Tag
bis in sein Zimmer, wo es Nacht war
und das Essen auf ihn wartete,
und es war noch warm... aus: Wo die wilden Kerle wohnen...eines meiner allerliebsten Büchlein.
a presto
m
a p
m

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