20 November 2008

Versuch es!

Stell dich mitten in den Regen,
glaub an seinen Tropfensegen
spinn dich in das Rauschen ein
und versuche gut zu sein!

Stell dich mitten in den Wind,
glaub an ihn und sei ein Kind –
laß den Strum in dich hinein
und versuche gut zu sein.

Stell dich mitten in das Feuer,
liebe dieses Ungeheuer
in des Herzens rotem Wein –
und versuche gut zu sein!

Wolfgang Borchert



Der Wind heult im Dachgebälk und der Ofen kullert seine gemütliche 2. Stimme dazu. Ich schreibe an meinem neuen Weihnachtsupdate, das ich gerne rechtzeitig fertig hätte. Doch im Moment lasse ich mich( noch...) etwas leicht ablenken. Nicht nur, dass ich die Stimme des Sturmes liebe und schon oft am Fenster stand um zuzuhören und dem Regen in den kahlen Obstbäumen zuzuschauen. Nein, ich habe mein altes Poesiealbum gefunden und darin geblättert. Dies ist wie eine Reise in die tiefste Vergangenheit. Die ersten beiden Schuljahre in der alten Dorfschule werden plötzlich wieder lebendig mitsamt der Klassenkameraden und Lehrer. Eine junge Lehrerin hat mir damals dieses Gedicht ins Album geschrieben. Ich weiß noch wie ich mich über die dynamische Schrift gewundert habe. Aber viel mehr noch über die klaren starken Worte, die mich ansprachen.Wolfgang Borchert stand darunter,ein Name den ich noch nicht kannte und der mir erst ein paar Jahre später wieder begegnen sollte. Wanderer kommst du nach Spa...Nachhaltig und tief berührend.


Wer weiß, vielleicht hat mir diese junge Lehrerin ganz bewusst genau dieses Gedicht in mein Poesiealbum geschrieben?
Es ist eine wunderschöne Herausforderung, dieses "Stell dich mitten in den Regen..." oder "Stell dich mitten in den Wind..." "Stell dich mitten in das Feuer..."
Versuch es!
a presto
m
a p
m

10 November 2008

Odenwald im November

So heißt der Titel eines ganz besonderen Bildbandes den ich vor einiger Zeit auf einem Bücherflohmarkt entdeckt habe.
Er fiel mir heute morgen beim Staub wischen aus dem Bücherregal und abermals war ich gefangen von dieser zärtlichen, weichen Novemberstimmung die er vermittelt.

In diesem Buch hat Günther F. Wellnitz „seinen“ Odenwald gemalt. Es sind einfühlsame Zeugnisse tiefer Verbundenheit und Liebe zu dieser einzigartigen Landschaft.
Die Aquarelle strahlen eine übersinnliche Ruhe und Stille aus, die Atmosphäre des ausklingenden Herbstes wird in geradezu grandioser Weise eingefangen und die Wirkung auf den Betrachter ist mächtig.
Plötzlich erkennt man das Wesentliche der Schönheit jedes bizarren Baums, jeder Hügelkette und der nebelverhüllten Gehöfte. Dies kann sich in seiner ganzen ungeschminkten Klarheit wohl nur an bestimmten Novembertagen zeigen.

Den Text, ein Essay über die wechselvollen geschichtlichen Hintergründe des Odenwaldes, hat Hans- Günther Sperlich in einer spannenden und einprägsamen Weise geschrieben.

Die herbstgoldene Krönung erhält dieses Buch für mich aber erst durch die Herzen berührende Gedichte von Andreas Herbert Herles.
Einfühlsam, wundervoll. Gedichte die der Seele Flügel verleihen.
Zu schön für Worte!


Wenn erst
Die Wege nicht mehr sind
Feldwege
Waldwege
unwegsames Land
mit Brombeerranken
Schrunden an Knien und Händen

Wenn
Die Wälder
aus Eisen wachsen
die Vögel
auf Wegweisern sitzen
die nicht heimführen

Wenn über das Land hin
Wolken nicht mehr ziehen

Dann gehe ich
mit dem Wind

Andreas Herbert Herles.

Ein kleiner Wehmutstropfen, hat dieses Buch jedoch für mich. Denn die Aquarelle sind ausschließlich im hessischen Teil des Mittelgebirges entstanden und nicht am höchsten Punkt des Odenwaldes rund um den Katzenbuckel, meinem Hausberg, der immerzu eine geradezu magnetische Anziehungskraft auf mich ausübt.



Odenwald im November
Aquarelle von Günther F. Wellnitz
Text von Hans-Günther Sperlich
Gedichte von Andreas Herbert Herles
Edition Braus
Heidelberg


Darf ich das
sagen

am Fluß entlang
bis zur Heimkehr
die Stunden
mit Kieseln gefüllt
die Taschen

darf ich das
tun

mich erinnern

Andreas Herbert Herles.

Ofenfeuergrüße (mit Blick auf den Katzenbuckel...)
a presto
m
a p
m

07 November 2008

Woher kommt das Glück?

Da es gut zu meinem Post: "Ein Körbchen Quitten und die Glücksmomente" passt, möchte ich heute ein hundesüßes Büchlein empfehlen.
Ich hatte es wohl schon Anfang dieses Jahres gekauft und zu meinen „Geschenkschätzen“ getan. Vorhin, beim Suchen eines ganz anderen Buches fiel es mir in die Hände und ich blätterte es lächelnd durch, denn es ist so unbeschreiblich spaßig, witzig und lustig und auch die Illustrationen sind so bezaubernd, dass es für einige Glücksmomente sorgen kann.

Die Hauptperson spielt ein Hund, der sich an einem ziemlich trüben Tag fragte: Woher kommt das Glück? Und wie findet man es?
Glück! Wie geht das eigentlich?

Und er machte sich auf den Weg, um es herauszufinden. Indem er geht und sucht kommen ihm allerhand Einfälle was Glück bedeuten könnte. Er findet sogar ein Hufeisen. Und gleich so ein großes....

Als er zum Schluss einen Hasen trifft, der ihn nach seinem Befinden fragt, eskaliert die kleine Geschichte zu einem „pragmatischen“ Ende.

Mehr wird nicht verraten!
Es ist ein Büchlein zum Anschauen, eines zum schmunzeln, zum froh werden...
Versuche es!

Woher kommt das Glück?
Jens Dobbers

Erschienen bei arsEdition

warmherzige Grüße
a presto
m

01 November 2008

Herzensbeziehung...


"Unser Leben ist kurz, und bald werden wir auf der anderen Seite sein, und wenn wir auch über dieses Jenseits nichts wissen, so haben wir doch die Erfahrung gemacht, dass ein Toter uns vielmal lebendiger, lieber und näher sein kann als alle Lebenden um uns her und darin ist die natürliche Herzensbeziehung zum Drüben wohl begründet."

Hermann Hesse in einem Brief an Grete Gundert

Allerheiligen 2008

a presto
m