24 Oktober 2008

und Hermann Hesse konnte pfeifen...

Pfeifen
Klavier und Geige die ich wahrlich schätze,
Ich konnte mich mit ihnen kaum befassen;
Mir hat bis jetzt des Lebens rasche Hetze
Nur zu der Kunst des Pfeifens Zeit gelassen.

Zwar darf ich mich noch keinen Meister nennen,
Lang ist die Kunst und kurz ist unser Leben.
Doch alle, die des Pfeifens Kunst nicht kennen,
Bedaure ich. Mir hat sie viel gegeben.

Drum hab ich längst mir innigst vorgenommen,
In dieser Kunst von Grad zu Grad zu reifen,
Und hoffe endlich noch dahin zu kommen,
Auf mich, auf euch, auf alle Welt zu pfeifen.
Hermann Hesse


In Calw gefunden... Hermann Hesse ist immer ( noch...) für eine Überraschung gut.
Dieses Gedicht schmeckt mir so gut wie Schokolade... und macht schmunzeln.
Ich glaube fast der letzte Satz gefällt mir am besten...und möchte auch "von Grad zu Grad reifen"...

ein warmherziger Abendgruß mit Pfiff
a presto
m

Ein Körbchen Quitten und die Glücksmomente...



Was hat das Glück mit einem Korb voll Quitten zu tun? Oder mit einem selbstvergessenen Spaziergang im Herbstwald?
Gibt es einen geheimnisvollen Zusammenhang zwischen all den kleinen Glücksmomenten und dem großen Glück?
Ich bin sicher das "große Glück" setzt sich zusammen aus den vielen kleinen Glücksmomenten die nur darauf warten aufgesammelt zu werden, wie die rotbackigen Äpfel und dunkelbraunen Kastanien. Ein Körbchen voller Erlebnisse, Begegnungen, Farben, Düfte... alles bunt gemischt.
Ich finde die Vorstellung erheiternd und etwas beruhigend: Denn das wäre ja ein reicher Vorrat in einer „Sparbüchse“ für die Tage wo man die Momente nicht erkennt. Sozusagen für Stunden wo mal wieder gar nichts klappt, wo Tristess die Stimmung trübt und der winzige Glücksmoment unbeachtet in andere Tiefen fällt.


Deshalb habe ich auch mehrere meiner kleinen Reiseeindrücke ins Körbchen getan.
Obenauf liegen die gerade Vergangenen.

Ich denke an meinen unsagbar lustigen Wellnesstag im Bädertempel, wo ich mich warm lachte und mir vorkam wie Kleopatra, nur dass die Eselsmilch im Wasser fehlte...
Mit stiller Freude denke ich auch an mein Wiedersehen mit Calw, das mir seit langem vertraut ist.
Dort schlenderte ich über die Nagoldbrücke, am Alten Rössle vorbei, hielt kurz inne, und besuchte endlich meinen alten Freund Hermann Hesse wieder. Schon von weitem hörte ich ihn ein Liedchen pfeifen, als er mich sah schien er mir zuzuzwinkern. Ich bat ihn mir aus seinen Gedichten vorzulesen, doch er zog es vor mir „Über das Glück“ zu erzählen. Ich hörte ihm aufmerksam zu.

Danach entdeckte ich Montagnola das näher war als ich vermutete. Ich blieb lange Zeit dort ohne den düsteren Regen zu bemerken der ans Fenster klopfte, denn es war warm und sonnenfreundlich an diesem Ort.
Am nächsten Morgen zog es mich wieder einmal in ein altes Kloster wo ich dem Wasser des Brunnen im Kreuzgang lauschte, und den Geist der Vergangenheit spürte.
Dann betrat ich dieses einzigartige Licht durchflutete Paradies mit seinem goldenem Baum und dem schmalen Steinbänkchen davor auf dem ich schon einmal verweilte. Zeitvergessen! Irgendwo zwischen Himmel und Erde, mal in der Vergangenheit, mal in der Zukunft. Zeitreisend!

Ich denke an Berlin. Eine Stadt die ich vor 7 Jahren schon mal besuchte. Damals fand ich keinen Zugang zu ihr, sie blieb mir verschlossen. Diesmal bin ich gleich nach der Ankunft über eine Brücke gegangen, die mit goldbraunen Ahornblättern bedeckt war. Der Himmel war strahlend tiefblau und einzelne winzig weiße Wölkchen spiegelten sich in der Spree Ein alter Musikant saß am Ende dieser Brücke und lächelte mir zu. Plötzlich war der Schlüssel gefunden. Und ich erschloss mir viele Räume. Einer interessanter als der andere. Freudentanz!
Ich hab noch einen Koffer, jetzt auch in Berlin!

Ich denke an die neuen Begegnungen, an die liebevollen Gesten, an all diese Glücksmomente die sich nun zusammen , und dafür bin ich sehr dankbar, mit vielen anderen bei den Herbstfrüchten im Körbchen befinden.

Ganz herzliche Grüße nach Berlin und überall dorthin wo sie ankommen wollen.
a presto
m

19 Oktober 2008

Es lebte einst ein Zauberer....

Eigentlich habe ich gerade einen ungeheuer lustigen Reisebericht über meine kleine Herbstreise, die mich vor wenigen Wochen in ein renommiertes Schwarzwaldbad brachte, geschrieben. Beim Durchlesen der Story, musste ich jedoch so über mich und diese Erfahrung im „Wellnesstempel“ lachen, (unerfahrene „Wellnesserin...) dass ich um die Bauchmuskeln meiner potentiellen Leser besorgt bin und deshalb diesen Bericht vorsichtshalber heute nicht veröffentliche.
Jedenfalls sah ich nach einigen Jahren das „Magische Theater“ wieder und Montagnola war näher als ich dachte...

Dort, und deshalb auch dieser Post, entdeckte ich beim Schmökern im Buchladen ein allerliebstes Kinderbüchlein. Das Gedicht kannte ich schon lange aber zusammen mit der Illustration ist es so zauberhaft, dass ich es allerwärmstens empfehlen kann.

Wer kennt es nicht, das Gedicht: "Der Zauberer Korinthe" das der hochverehrte, unvergessener James Krüss den Kindern und allen Erwachsenen, die im Herzen noch ihre Kinderseele bewahrt haben, geschenkt hat.
Dieser verwegene Zauberer konnte nicht irgendetwas zaubern, etwa so was Gewöhnliches wie weiße Mäuse oder Golddukaten, nein er brauchte nur ein Schlückchen Tinte zu trinken um Briefe in das Gegenteil dessen zu verwandeln, was der Schreiber beabsichtigt hatte. Auf diese Weise klingt ein erboster Brief eines Vaters an seinen Sohn plötzlich sehr freundlich während ein zärtlicher Liebesbrief nur noch von –Rüben spricht.

In diesem Bilderbuch sind die Verse liebevoll, bis ins kleinste Detail, von Rotraut Susanne Berner absolut überzeugend und begeisternd illustriert. Mir gefällt der liebenswerte nostalgische Stil eines alten Schulhefts der sogleich die Tür zur Erinnerung an die Schulzeit wach ruft. Aber bestimmt gefällt es auch den Kleinen denn der Zauberer ist ja sehr lustig und die Zeichnungen laden zum genauen Hinsehen ein.


Da schmunzelte der Zauberer
Kori Kora Korinthe
Und schwamm durchs ganze Tintenfass
Und trank ein bisschen Tinte.

Und wenn ihr das nicht glauben wullt
Vom Schri, vom Schra, vom Schreiben,
Dann seid ihr schließlich selber schuld
Und last es eben bleiben.
aus: Der Zauberer Korinthe
James Krüss

Der Zauberer Korinthe
James Krüss /Rotraud Susanne Berner
Boje Verlag


Ein lieber Gruß
Mit Si, mit Sa mit Siegel:
a presto
m

17 Oktober 2008

Krabat

(...)Die beiden Gestalten im Nebel verschmelzen zu einer einzigen, das ist seltsam. Die eine Gestalt nun, zu der sich die beiden vereinigt haben, wirft ihm ein Seil zu, an dessen vorderem Ende ein Querholz befestigt ist. Krabat greift danach, klammert sich an dem Querholz fest- dann spürt er, wie die Gestalt ihn am Seil aus dem Moor herauszieht auf festen Grund. Das geht schneller als er gedacht hat. Nun steht er vor seinem Retter und will ihm danken.
„Lass gut sein“, sagt Juro- und jetzt erst merkt Krabat, dass er es ist der ihm da herausgeholfen hat. „Wenn du wieder mal nach Schwarzkollm willst, solltest du lieber fliegen.“
„Fliegen?“ fragt Krabat.“ Wie meinst du das?“
„Nun- wie man eben auf Flügeln fliegt.“
Das ist alles was Juro antwortet, dann verschluckt ihn der Nebel.
„Fliegen...“ denkt Krabat. „Auf Flügeln fliegen...“ Es wundert ihn, dass er nicht selber auf den Gedanken gekommen ist.
Er verwandelt sich augenblicklich in einen Raben, wie er das jeden Freitag tut, breitet die Fittiche und erhebt sich vom Boden.
Mit ein paar Flügelschlägen schwingt er sich über den Nebel empor und hält auf Schwarzkollm zu.
Im Dorf scheint die Sonne. Zu seinen Füßen sieht er die Kantorka, wie sie am unteren Brunnen steht, eine Strohschüssel in der Hand und die Hühner füttert- da streift ihn ein Schatten, der Schrei eines Habichts gellt ihm ins Ohr.
(....)
Krabat weiß, dass es um sein Leben geht. Pfeilschnell, die Flügel angelegt, stürzt er sich in die Tiefe. Neben der Kantorka landet er, mitten im auseinanderstiebenden Hühnervolk.
Auf dem Erdboden nimmt er Menschengestalt an, nun ist er in Sicherheit.
(...)
Da steht plötzlich der Meister am Brunnen, zornig streckt er die Linke nach Krabat aus. „Mitkommen!“, herrscht er ihn an.
„Warum?“ fragt die Kantorka.
„Weil er mir gehört!“
„Nein“, sagt sie, nur dieses eine Wort- und das sagt sie auf eine Weise, bei der es kein Wenn und Aber gibt.
Sie legt Krabat den Arm um die Schulter, dann hüllt sie ihn in ihr wollenes Umtuch ein. Weich und warm ist es, wie ein Schutzmantel.
„Komm“, sagt sie. „komm jetzt.“
Ohne sich umzublicken, gehen sie miteinander weg.


Krabat


Eine Geschichte die Otfried Preußler für sich und für Millionen von Lesern,von einer alten wendischen Volkssage inspiriert, in genialster Weise interpretiert hat.
Als ich diese Geschichte zu ersten Mal zu lesen begann, legte ich sie bald wieder beiseite, denn sie machte mir Angst. Sie wirkte wie ein dunkles Loch, wie ein Sog den ich damals nicht gut aushalten konnte. Dann versuchte ich während der Jahre immer wieder endlich die ganze Geschichte zu lesen und immer war es so, als würde ich in eine Tiefe stürzen und dort verloren sein.
Vor sieben Jahren konnte ich die schwarze Magie, die fast hoffnungslos wirkende Verstrickung Krabats ertragen und konnte die wundervolle Botschaft die diese Geschichte mitteilt erkennen und verstehen. Es ist die eigene Willenskraft, die Freundschaft und die Liebe die es Krabat letztendlich möglich machen sich von den bösen Gewalten zu befreien.
In den letzten Tagen habe ich mich, als Vorbereitung zum Film: "Krabat", erneut in die Geschichte vertieft und immer noch zieht sie mich ganz in ihren Bann.

Ich bin gespannt auf die Verfilmung jedoch immer mit meinen eigenen Bildern in mir die in den vielen Jahren in denen das Buch immer in Reichweite lag gereift sind.Ja, heute ist der Angst einer tiefe Überzeugung gewichen mit der ich mich fühle wie Krabat im warmen Umtuch...wie ein Schutzmantel.


„Während sie auf die Häuser zuschritten, fing es zu schneien an, leicht und in feinen Flocken, wie Mehl, das aus einem großen Sieb auf sie niederfiel.“

A presto
m