02 Juni 2008

Etwas ist in den Garten getreten...Oder: Die Vergänglichkeit des Seins.


Der Tod ist groß.
Wir sind die Seinen.
Lachenden Munds.
Wenn wir uns mitten im Leben meinen,
wagt er zu weinen,
mitten in uns
Rainer Maria Rilke

Es ist eine kleine Weile vergangen seit dem Tag an dem ich früh am Morgen vor die Tür trat und die Gießkannen füllte um meine eingepflanzten Buchsbäumchen mit Wasser zu versorgen. Jemand trat ans Gartentor und brachte eine Nachricht die mich sehr traf.
Etwas ist in den Garten getreten und über das Blühen, die Zuversicht des Frühlings, legte sich der dunkle Schatten des plötzlichen Todes eines guten Freundes.
Herausgerissen mitten aus seinem Leben. Herausgerissen aus vielen Leben denen er viel bedeutete. Endgültig der Tod. Unfassbar die Tragweite des Verlustes.

Der ersten Erschütterung ist einer Trauer gewichen um das Unvollendete.
Es fehlt mir viel!

Und ich bis seither sehr nachdenklich geworden, während sich tausende gelber Mohnblumenblüten lustig und sorglos, vertrauensvoll in ihre Vergänglichkeit, im Winde schaukeln.

Ich denke an die Begegnungen, an Worte und Gesten:

„Nimm dir Äpfel mit, ich hab doch genug! „Nein, du musst sie einlagern für den Winter...“ Ach , Margit!"
„Ich kenn deinen Kopf ganz genau.“
„Man muss doch auch etwas glücklich sein im Leben!"

Nähe. Etwas Schönes, langsam Gewachsenes, mit gegenseitiger Achtung der jeweiligen Lebensumstände. Etwas was mir wohl tat und mir oft auch den nötigen Rückhalt gab.

Seitdem denke ich darüber nach ob ich mit mir und den Menschen die mich in der Vergangenheit ein Stückchen meines Lebensweges beleitet haben und mir viel bedeuteten im Reinen bin. Oder brennen da noch Worte in meiner Seele die ich gerne aussprechen wollte, oder stelle ich mir noch Fragen deren Antwort ich gerne wüsste.
Dann denke ich deutlich an die Gegenwart und die Menschen die mir heute sehr nahe sind.
Bin ich aufmerksam, einfühlsam, verständnisvoll und geduldig? Bin ich dankbar? Bin ich liebevoll? Im Reinen mit der Gegenwart?

Ich vergesse oftmals das Gestern über dem Heute, und manchmal das Heute über dem Gestern.

Ich möchte nicht an Gräbern stehen und mir sagen müssen: Zu wenig geliebt. Immer viel zu wenig!

Ich bin nachdenklich geworden, während sich tausende gelber Mohnblumenblüten lustig und sorglos, vertrauensvoll in ihre Vergänglichkeit, im Winde schaukeln.

Und wenn du dich getröstet hast,
wirst du froh sein, mich gekannt zu haben.
Du wirst immer mein Freund sein.
Du wirst dich daran erinnern,
wie gerne du mit mir gelacht hast
Antoine de Saint-Exupéry

Ich werde mich oft und voller Wehmut und Dankbarkeit erinnern! An menschliche Größe, an Klugheit und Lebenserfahrung, an Großzügigkeit, an Herzensgüte, an Offenheit und eine Geradlinigkeit wie ich sie bislang selten erlebte. Ich werde mich an Gespräche an Worte und Gesten erinnern und sie als wertvolles Geschenk im Herzen bewahren.

Über die Leere hinweg hast du im Blau des Himmels deine unfassbare Spur zurückgelassen.Im Blau des Himmels.

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