Dazu möchte ich gerne eine kurze Anekdote erzählen…
Vor ein paar Wochen traf ich eine mir altbekannte Erzieherin. Wir redeten über den Alltag im Kindergarten, der für mich ja schon tiefste Vergangenheit ist, und natürlich über die besten Kinderbücher, über die neuesten Bilderbücher und wie sie von den Kindern angenommen werden. Es entwickelte sich ein interessantes Gespräch. Sie fragte dann auch nach meinen Favoriten, nach den Büchern die ich als Vorlesepate, der ich seit Jahren bin, in der Bücherei in E. vorlese. Ich erzählte begeistert davon, beschrieb meine Bücher und nannte auch „Ein Schaf fürs Leben“
Sie schaute daraufhin etwas irritiert, fragte mich dann ob dies denn schon passend wäre für die kleinen Kinder. Ich bejahte das geradezu begeistert und versicherte ihr, dass ich es seit dem Erscheinen des Buches schon oft vorgelesen habe. Daraufhin wollte sie wissen, ob ich meine Buchauswahl mit der Bibliothekarin abspreche, weil sie sich nicht vorstellen könnte, dass dies schon angebracht sei. Doch, meinte ich, die Kinder schreien ja geradezu nach diesem Schaf.
Sie sah mich immer ungläubiger an. Ich konnte mir dies gar nicht erklären, bis sie noch mal nach dem Titel fragte: „Ein Schaf fürs Leben“, sagte ich deutlich. Sie brach in ein ungeheures Gelächter aus, in das ich dann auch einstimmte, denn sie hatte die ganze Zeit über „Ein scharfes Leben" verstanden“.
Es war ein kalter Winterabend. Missmutig trottete Wolf mit seinem Schlitten durch den Schnee. Ein eisiger Wind pfiff ihm durch die Mütze. „Hunger, Hunger; Hunger! murmelte er im Takt seiner Schritte um sich Mut zu machen….
Etwas später:…
Lautlos parkte er den Schlitten im Mondschatten- und machte vorsichtig die Stalltür auf.
Drinnen war es warm und dunkel.
“Guten Abend“, sagte der Wolf mit seiner tiefsten Bassstimme. Er hörte ein Rascheln.
Ein Stier? Ein großer Wachhund?
„Wer da?“ blökte ein Stimmchen.
Wolf atmete erleichtert auf. Das klang nach Schaf.Ein Schaf das ganz allein im Stall lag.
„Wir wollen die Sache mit Stil angehen“, murmelte der Wolf… Der Wolf lehnte sich locker an den Türrahmen. „Verzeihen sie, dass ich sie in ihrer Nachtruhe störe, aber die Sache ist die, dass es mich, der ich ein Wolf bin, ziemlich dringend nach einem Häppchen verlangt“.
„Was?“ fragte Schaf.
„Hunger“, antwortete der Wolf Er ging auf knirschenden Sohlen drei Schritte näher heran.
„Ach so“, sagte Schaf. „Sag das doch! Wir haben hier Hafer, altes Brot und Heu. Nimm dir, was du willst!“…
Etwas später:…
Nachdem er mit allen Fingern geknackt hatte, sagte er: „Die Sache ist die. Wir unternehmen was Schönes zusammen. Jetzt gleich: Und zwar machen wir eine Schlittenfahrt. Na?“
Schaf sah ihn mit runden Augen an. „Und was ist mit deinem Hunger?“
„Ach das ist doch nebensächlich“, sagte der Wolf, und er versuchte seinen knurrenden Magen mit Hüsteln zu übertönen. „Das ist nicht das Entscheidende im Leben, Erfahrungen, darauf kommt es an. Das möchte ich ihnen heute Nacht zeigen.“
Erfahrungen…grübelte Schaf. Wo mag das wohl sein?.
„Ist das sehr weit weg, Erfahrungen?“ fragte Schaf.
„Es ist näher als sie denken“ sagte Wolf, während er seine Krallen betrachtete.
„Kommen sie. Ich nehme sie mit auf einen Ritt!“ Er klopfte sich das Stroh von den Kleidern.
Ja, und was dann noch passiert auf dieser abenteuerlichen, lustigen Reise durch die Winternacht möchte ich ihnen nicht verraten.
Es ist ein Buch über Freundschaft und Vertrauen. Ein Buch über eine gänzlich untypische Beziehung die eine überraschende Wendung nimmt.
Eine fesselnde, eine ungeheuer hinreißende Geschichte, die nicht alleine die Kinder ( ab sechs Jahren etwa…) begeistert, ja geradezu in ihren Bann schlägt.
Dieses Kinderbuch wirkt wie ein Kinderlachen, wie ein erfrischender Regen im Juli, wie ein wärmender Ofen in einer kalten Winternacht.
Die Illustrationen zu den Texten könnte man nicht besser treffen, überragend in ihrem Gestaltungsreichtum, aufwändig, einfach unbeschreiblich schön.
„Warum nicht“ antwortete der Wolf. „Aber kommen sie, die Zeit drängt.“ Er sah auf seine goldene Uhr.
„Was ist das?“ fragte Schaf. „Ist das aus Gold?“
„Ja, sagte der Wolf. „Das ist ein Zeitmesser. Ihre Zeit ist gekommen. Ich meine, es ist Zeit zu gehen. Ich verspreche ihnen, dass es eine unvergessliche Fahrt wird!“
Ich verspreche ihnen es wird ein unvergessliches Lesevergnügen für sie werden.
Ein Schaf fürs Leben
Maritgen Matter und Anke Faust
Erschienen bei Oetinger
Und der Schnee schien aus tausend winzigen Diamanten zu sein.
liebe Nikolausgrüße in alle 4 Himmelsrichtungen
a presto
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