… „Und wenn auch heute der Garten noch öde liegt, so ist für den der darin arbeitet, doch alles im Keim und in der Vorstellung schon da. Die Beete haben Leben und hier wird lichtgrüner Lattich stehen und da die lustigen Erbsen, dort die Erdbeeren. Wir ebnen den gegrabenen Boden, ziehen schöne glatte Reihen nach der Schnur, worein die Samen kommen sollen und in den Blumenrabatten verteilen wir voraussehend die Farben und Formen, häufen Blau und Weiß, schmettern ein lachendes Rot dazwischen, säumen die Pracht hier mit Vergissmeinnicht und dort mit Reseden ein, sparen nicht mit den leuchtenden Kapuziner und lassen auch an einen sommerlichen Imbiss und Weintrunk denkend, hier und dort Platz für ein Büschel Radieschen. Es ist ja etwas von Schöpferlust und Schöpferübermut beim Gartenbau; man kann ein Stückchen Erde nach seinem Kopf und Willen gestalten, man kann sich für den Sommer Lieblingsfrüchte, Lieblingsfarben und Lieblingsdüfte schaffen. Man kann ein kleines Beet, ein paar Quadratmeter nackten Bodens zu einem Gewoge von Farben, zu einem Augentrost und Paradiesgärtlein machen. Allein es hat doch seine engen Grenzen.
Schließlich muss man mit allen Gelüsten und aller Phantasie doch wollen, was die Natur will, und muss sie machen und sorgen lassen. Und die Natur ist unerbittlich. Sie lässt sich etwas abschmeicheln, lässt sich scheinbar einmal überlisten, aber nachher fordert sie desto strenger ihr recht.
Hermann Hesse: aus: Im Garten
... Dank an Hesse, der mir heute mit diesen Worten ein Gefühl der Gelassenheit geschenkt hat...
