30 März 2006

Hesse -Tage ...entracte

… „Und wenn auch heute der Garten noch öde liegt, so ist für den der darin arbeitet, doch alles im Keim und in der Vorstellung schon da. Die Beete haben Leben und hier wird lichtgrüner Lattich stehen und da die lustigen Erbsen, dort die Erdbeeren. Wir ebnen den gegrabenen Boden, ziehen schöne glatte Reihen nach der Schnur, worein die Samen kommen sollen und in den Blumenrabatten verteilen wir voraussehend die Farben und Formen, häufen Blau und Weiß, schmettern ein lachendes Rot dazwischen, säumen die Pracht hier mit Vergissmeinnicht und dort mit Reseden ein, sparen nicht mit den leuchtenden Kapuziner und lassen auch an einen sommerlichen Imbiss und Weintrunk denkend, hier und dort Platz für ein Büschel Radieschen. Es ist ja etwas von Schöpferlust und Schöpferübermut beim Gartenbau; man kann ein Stückchen Erde nach seinem Kopf und Willen gestalten, man kann sich für den Sommer Lieblingsfrüchte, Lieblingsfarben und Lieblingsdüfte schaffen. Man kann ein kleines Beet, ein paar Quadratmeter nackten Bodens zu einem Gewoge von Farben, zu einem Augentrost und Paradiesgärtlein machen. Allein es hat doch seine engen Grenzen.
Schließlich muss man mit allen Gelüsten und aller Phantasie doch wollen, was die Natur will, und muss sie machen und sorgen lassen. Und die Natur ist unerbittlich. Sie lässt sich etwas abschmeicheln, lässt sich scheinbar einmal überlisten, aber nachher fordert sie desto strenger ihr recht.
Hermann Hesse: aus: Im Garten

... Dank an Hesse, der mir heute mit diesen Worten ein Gefühl der Gelassenheit geschenkt hat...

25 März 2006

Hesse Tagelargo

„Du sollst dich nicht nach einer vollkommenen Lehre sehnen, sondern nach Vervollkommnung deiner selbst“

Heute morgen sehnte ich mich weniger nach meiner Vervollkommnung, sondern ich sehnte mich nach Wärme und duftender Gartenerde. Plötzlich fallen goldene Sonnenstrahlen aus den Wolken und verzaubert die Tristess des trüben Märzfrühlings. Genau in diesem Moment dachte ich an meinen alten geliebten Lebensbegleiter, an Hermann Hesse und ich fühlte eine kleine Welle der Freude in mir aufkeimen. Einige Minuten später besuchte ich die Website eines bekannten Hotels in Sils Maria um etwas zu suchen, gleichzeitig aber wissend, dass ich es heute auch finde.
Die Einladung zu den 7. Silser Hesse -Tage, „Hesse und seine Künstlerfreunde“ dort in diesem begnadeten Ort, den ich unbeschreiblich gerne mag. Dies war also der erste Sonnenstrahl der den Morgen verzaubert hat. Innehalten. Wo sollte ich aber, zunächst mal, nach dem zweiten suchen?
Ich lief, von seidenem Faden gezogen, zum Briefkasten… in dem eine Einladung steckte. Natürlich erkannte ich gleich: Wohin…Es ist doch seltsam… gibt es Zufälle? Oder sind wir mit einigen Menschen oder Dingen so stark verbunden, dass man Eines mit ihnen ist? Nun, es ist leicht zu erraten: Eine Einladung zu einer Veranstaltung des Hesse Museums in Montagnola….Hesse-Tage, Freuden für mich.

23 März 2006

Intermezzo

Liste der Dinge, die Garten-Frühlings-Glück bedeuten

Schneeglöckchen auf der Wiese
beide Hände auf die warme Erde legen
das Gartenhäuschen lüften
an der Zaubernuss schnuppern
die Sonne auf der Haut spüren
ein Marienkäfer auf der Hand
die bunten Samentütchen bereit legen
Buchsbäumchen streicheln
das Baumhaus besteigen
freche Krähen auf dem Kompost
eine schnurrende schwarze Gartenkatze
die dicken Knospen der Obstbäume berühren
die unsterblichen Eiben bewundern
alte duftende Tontöpfe mit Erde füllen
das neue erwachende Leben mit ganzem Herzen begrüßen
und voller Gartenträume den nächsten Garten-Sonnen-Tag erwarten


21 März 2006




Rilke-Tage... andante





Natur ist glücklich. Doch in uns begegnen
sich zuviel Kräfte, die sich wirr bestreiten:
wer hat ein Frühjahr innen zu bereiten?
Wer weiß zu scheinen? Wer vermag zu regnen?

Wem geht ein Wind durchs Herz, unwidersprechlich?
Wer fasst in sich der Vogelflüge Raum?
Wer ist zugleich so biegsam und gebrechlich
wie jeder Zweig an einem jeden Baum?

Wer stürzt wie Wasser über seine Neigung
ins unbekannte Glück so rein, so reg?
Und wer nimmt still und ohne Stolz die Steigung
und hält sich oben wie ein Wiesenweg?
R.M.Rilke

17 März 2006


Rilke Tage ... allegro

Wir sind ganz angstallein,
haben nur an einander Halt,
jedes Wort wird wie ein Wald
vor unserm Wandern sein.



Unser Wille ist nur der Wind,
der uns drängt und dreht;
weil wir selber die Sehnsucht sind,
die in Blüten steht.

R.M.Rilke


Rilke -Tage... allegro vivace

Es müsste mich einer führen,
aber nicht der Wind;
weil der Orte und Türen
so viele sind.



Wen
soll ich um alles fragen;
soll ich immer nur gehn
und es wie im Traum ertragen,
dass die Berge und Burgen ragen
an dem Saum
der fremden Seen?...
R.M.Rilke


15 März 2006

Sonne: Wo bist du?
und ein uralter Song der gerade spielt ...
Here Comes The Sun
Here comes the sun, here comes the sun,
and I say it`s all right

Little darling, it`s been a long cold lonely winter
Little darling, it feels like years since it`s been here
Here comes the sun, here comes the sun
And I say it`s all right

Little darling, the smiles returning to the faces
Little darling, it seems like years since it`s been here
Here comes the sun, here comes the sun
And I say it`s all right

Sun, Sun, here comes the sun…
Little darling, I feel that ice is slowly melting
Little darling, it seems like years since it`s been clear
Here comes the sun, here comes the sun,
and I say it`s all right
It`s all right.

Here comes the sun...Grüße...
ein leichter Abschied... wann endlich?
In diesem Jahr kostet der Winter seine Zeit bis zur bitteren Neige aus. Ein langer Abschied den er sich da ausgedacht hat.
Ein Abschied von Kälte und Schnee der mir niemals schwer fällt. Schwer fällt mir das Warten. Das Warten auf Wärme und Sonne. Auf Erde, auf Grün. Auf luftige Leichtigkeit.
Nun, beim Stöbern im Bücherregal fand ich ein recht altes Taschenbuch. Es erzählt von einem wilden Garten am Lago Maggiore. Von all den kleinen Gartenträumen und auch Gartennöten …(was tut man wenn eher zuuuu viele Palmen auf dem Grundstück stehen…) Es erzählt auf wunderbare Weise von einer Gartenliebe.
Während meiner Besuche dort, am Verbano habe ich diesen Garten schon oft gesucht, ich hatte die Beschreibung in der Erinnerung: In der Nähe von Madonna del Sasso in Locarno Und war sehr enttäuscht als ich ihn nicht mehr fand. Vergangen und vergessen dieser wilde Garten mit blühenden Mimosen und mutigen Palmen am Hang über dem See mit seinen Parkanlagen..

„…Wir müssen es aussprechen, dass das Wesen der Schönheit nicht im Wirken liegt, sondern im Sein. Es müssten sonst Blumenausstellungen und Parkanlagen schöner sein als ein wilder Garten, der vor sich hinblüht irgendwo und von dem keiner weiß…“
R.M. Rilke

Das Buch heißt: Übern Gartenhag, von Richard Katz

11 März 2006


Garten-Wege

Garten-Leben
Garten-Herz
Garten-Liebe
Garten-Glück
Garten-Zeit

Garten-Träume

Garten-Seele
Garten-Geheimnisse
Garten-Magie
Garten-Freude
Garten-Erinnerung

Garten-Sehnsucht
m
Ein wirbeliger Schneesturm und die Inspiration und Muse durch das Gedicht: "Mein Garten"... ist mein "Garten-Wege"
...mal sehen zu welchen Ideen und Gartenbuch-Z/Seiten mir der Wettergott noch verhilft...
… In jenem Garten wo ich früher war… die ( hoffentlich…) letzten kalten Schneeschauertage lassen mich nochmals innehalten um nachzudenken und dem Vergangen und dem Zukünftigen nachzuspüren. „ Kein Mensch fühlt im andern eine Schwingung mit, ohne dass er sie selbst in sich hat“
so sagte H. Hesse einstmals. Eine Weisheit die mich bisher immer begleitete. Auch heute beim Lesen dieses Gedichtes… eine Schwingung mit fühlen über alle Zeiten hinweg. Die Stimmung mit empfangen und spüren… In jenem Garten wo ich früher war…


Mein Garten

Schön ist mein Garten mit den goldenen Bäumen,
Den Blättern die mit Silbersäuseln zittern,
Dem Diamantentau, den Wappengittern,
Den Klang des Gong, bei dem die Löwen träumen,
Die ehernen, und den Topasmäandern
Und der Voliere, wo die Reiher blinken,
Die niemals aus dem Silberbrunnen trinken…
So schön, ich sehn mich kaum nach jenem andern,
Dem andern Garten wo ich früher war.
Ich weiß nicht wo…Ich rieche nur den Tau,
Den Tau der früh an meinen Haaren hing,
Den Duft der Erde, weiß ich, feucht und lau,
Wenn ich die weichen Beeren suchen ging…
In jenem Garten wo ich früher war…
Hugo von Hofmannsthal

Zu schön für noch mehr Worte…man muss den Zauber walten lassen um das Eis zu schmelzen.

07 März 2006

To kill a Mockingbird...

Hinter diesem Titel verbirgt sich eines meiner liebsten Bücher. Ein Buch, das mich vor vielen Jahren sehr bewegt hat und an das ich oftmals dachte. Irgendwo in meinen Bücherregalen verborgen wusste ich es gut bewahrt. Gestern begegnete es mir einer einmaligen Sonderauflage wieder. Ich lese und lese und mir wird bewusst wie stark mich die Erinnerung an diese Geschichte immer begleitet hat. Nur dass ich sie heute noch einmal mehr liebe.
Nun ich verrate es: "Wer die Nachtigall stört..." geschrieben von Harper Lee.. ein Buch über die Konflikte von Menschen, über eine Kindheit und über die Toleranz als eines der erstrebenswertesten Ziele, ja, Voraussetzung im Zusammenleben aller Menschen.
Erschienen als Taschenbuch bei rororo...
... ob Eminem der Gefühlvolle, wohl auch daran dachte bei seinem Songtitel "Mockingbird" ?


..."Auf die Palme gebracht..."

Die Kälte und der nimmermüde Schneefall hier auf dem "Winterhauch" bringen mich bald auf die Palme...

Wer hat Lust mitzukommen?

Doch vorher sollte ich nochmal vorsorglich meine Buchsbäumchen von ihrer weißen Last befreien...

06 März 2006

Jahreszeiten... und die Kultur der Kelten
Der Schnee ist für mich wie ein Wintermantel der mir immer schwerer wird je länger ich ihn trage.. ( psst, aber man kann sich ein wenig selbst in Frühlingsgefühlen wiegen indem man einfach unter dem Wintermantel...)
Diese Zeit des Wartens auf das Tauwetter hält auch einiges Positive bereit. Noch ein wenig Muse in den Büchern zu lesen, die so spannend sind um sie erst im Liegstuhl zu lesen: was sage ich: Liegestuhl wo dann die ergötzliche Gartenarbeit anbricht...
Im Moment lese ich ein vollkommen interessantes, ein magisches, mystisches Buch das in seiner Wissensfülle über die :"Pflanzen der Kelten" spannend, und gleichzeitig wahnsinnig informativ ist. Dieses Buch erzählt über die Heilkunde, den Pflanzenzauber das immense feinfühlige Wissen der Kelten mit der Natur. Wolf-Dieter Storl hat mit diesem Buch ein Meisterwerk über das Wissen der Kelten geschaffen. Danke, dafür dass es solche Bücher gibt. Erschienen ist es im AT Verlag. ... für alle die sich für die Kultur der Kelten interessieren.

05 März 2006

"Das Auge des Bauern..."
Früher sang man: "Im Märzen der Bauer die Rösslein einspannt..."
Mit den Rösslein ist es wohl so gut wie vorbei, den längst sind die Arbeiten des Bauernhofes in den Rädern des Fuhrparks.
Dann gibt es noch einen Spruch der heißt in etwa so: "Das Auge des Bauern macht die Kühe fett"
Und genau so lautet der Titel eines Buches das ich einfach so gut finde, dass ich es hier empfehle.
Der Autor Herbert A: Henzler zählt zu den einflussreichsten und mächtigsten Managern Deutschlands, der über20 Jahre an der Spitze von McKinsey stand.
In seinem Buch: "Das Auge des Bauern macht die Kühe fett" überzeugt er als Verfechter von Verantwortung, Kreativität und echtem Unternehmertum. Der Mut zum Risiko, der unbedingte Wille, die Freude an der Entscheidung und die Erkenntnis das es ein genaues Hinsehen braucht um sich als erfolgreiches Unternehmen den wechselvollen Veränderungen des Marktes anzupassen erzählt Henzler in diesem seinem Plädoyer echt mitreißend.
Ich habe dieses Buch geradezu verschlungen, so lebendig, so anschaulich und auch witzig schreibt Henzler über seine Erfahrung: Wissen über die Betriebs- und die Volkswirtschaft pur.
Erschienen ist das Buch bei Verlag: Hanser
Ein unbedingt lesenswertes Buch für alle die "irgendwie" mit Unternehmertum, in der Politik, auch in der Gemeindeorganisation zu tun haben...

04 März 2006

Isola Madre...
Beim morgendlichen Anblick der dicken Schneedecke hätte ich gerne ein wenig gezaubert: ein heißer, magischer Sonnenstrahl der das Eis zum schmelzen bringt für eine kleine Stelle im Garten wo endlich das Grün hervorlugt und die kraftvollen Blätter der Schneeglöckchen zu sehen sind.
Dann traf mich plötzlich die Erkenntnis, dass ich diese Immergrüne, lebendige Stelle wo alles voller Urvertrauen und Liebe auf die Natur wachsen kann im Herzen habe, und ich spürte meine erwartungsvolle Freude auf die warme Erde und darauf die Wunder des Frühlings zu entdecken.
Teilen sie doch meine Vorfreude und kommen sie mit zu einem virtuellen Gartenbesuch nach Italien.
http://grandigiardini.it

Bevor sie sich warm anziehen um die Buchsbäumchen und die Eibenhecke vom Schnee zu befreien...

03 März 2006

Hier am Katzenbuckel scheint es im Moment so als würde die Goldmarie die Bettdecken der Frau Holle nicht nur ausschütteln, sondern ausschütten. Es schneit. Der Frühling hat noch eine kleine Rückzugszeit. Und wir eine Zeit um uns an kleinen Gedichten zu erfreuen.

Wo holt sich die Erde die himmlischen Kleider?

Wo holt sich die Erde die himmlischen Kleider?
Beim Wettermacher, beim Wolkenschneider.
Sie braucht keine eitlen Samte und Seiden,
sie nimmt, was er hat, und trägt froh und bescheiden
das Regenschwere, das Flockenleichte,
das Schattenscheckige, das Sonnengebleichte,
das Mondgewobne und Sternenbestickte,
das Windzerrissene, das Laubgeflickte,
das Gockelrote, das Igelgraue,
das Ährengelbe, das Pflaumenblaue,
das Gräserkühle, das Nesselheiße,
das Hasenbraune, das Schwanenweiße-
und schlendert die Jahre hinauf und hinunter:
je schlichter, je lieber, je schöner, je bunter.
C. Busta

Entzückend, oder etwa nicht?

01 März 2006


..." Viele Winter und viele Sommer sah ich kommen und gehn.
Geduld nur, Geduld! Der Frühling ist nah."...
aus: Tomte Tummetott.. A. Lindgren
... "Es ist ein unsägliches Glück, irgendwo in der Fremde zu Hause zu sein- denn es ist die Synthese unserer beiden Sehnsüchte: nach der Wanderschaft und nach der Heimat- eine Synthese von Werden und Sein."...
Georg Simmel